Shake it, baby! Sport-BHs im Fokus

Michaela Haßmann zu Sport-BHs und Compression Garments:

"Zwei Jahre lang durfte ich die wissenschaftliche Leitung für ein Forschungsprojekt zur Optimierung von Sport-BHs übernehmen – in dessen Rahmen ich auch derzeit meine kumulative Dissertation verfasse. Es scheint offensichtlich, wer die Idee zu diesem Projekt gehabt haben muss – tatsächlich ist aber ein männlicher Kollege vom Institut für Sportwissenschaft auf mich zugekommen!

Jede/r hat schon einmal beim Joggen oder anderen Sportarten eine Frau gesehen, die dringend einen besser stützenden Sport-BH gebraucht hätte. Oder sogar einen Mann, dem ein solches Kleidungsstück auch gute Dienste leisten würde. Doch erstmal musste mich mein Kollege davon überzeugen, mich mit einem Thema auseinanderzusetzen, das zwar mehr als die Hälfte der Bevölkerung betrifft, über das aber meist eher spöttisch oder belustigend diskutiert wird.

Innerhalb einer Stunde Recherche stieß ich auf mindestens hundert Publikationen zu diesem Thema – woraufhin ich bereits wieder aufgeben wollte. Aber unter den Suchergebnissen befand sich auch eine Veröffentlichung, wo einem menschlichen Körper virtuell ein Kleidungsstück „angezogen“ wurde.

Das funktioniert mit Hilfe eines ingenieurwissenschaftlichen Berechnungsverfahrens, einer Finite Elemente (FE)-Simulation. Sofort war mir klar, dass ich hier meine bisherige technisch geprägte Studien- und Berufslaufbahn ideal einbringen könnte. Daher suchte ich die Kooperation mit der Wiener Firma CAE Simulation & Solutions GmbH, ein Team aus ebenso sportaffinen wie wissbegierigen BerechnungsingenieurInnen. Dann wurde in einem monatelangen Prozess des Brainstormings, Tüftelns und Schreibens ein Förderantrag verfasst, eingereicht – und abgelehnt.

Aber anstatt den Kopf in den Sand und den Antrag in die Rundablage zu stecken, haben wir ihn gemeinsam gründlich überarbeitet, und mit Anita GmbH und ODLO AG zwei Bekleidungshersteller gefunden, die uns die benötigten Sport-BHs zur Verfügung stellten. So gelang es uns im zweiten Versuch, dem FemPower Call 2015 der Wirtschaftsagentur Wien, bis zum Hearing zu kommen und dort zu überzeugen. Danach wurde dieses Thema zur Dissertation angenommen, und die Projektarbeit konnte beginnen.

Mehr als nur Laufband-Tests!

Die Planung der Laboruntersuchungen gestaltete sich nicht minder aufwändig. Dass wir die Sport-BHs auf dem Laufband testen würden, um deren objektive Stützwirkung anhand der Brustbewegung zu ermitteln, war nur ein kleiner Teil des großen Ganzen. Von den Teilnehmerinnen wurden ohne und mit Sport-BH 3D-Scans angefertigt, um daraus FE-Volumenmodelle zu erstellen.

Um die Materialeigenschaften der weiblichen Brust zu ermitteln, wurde u.a. ein Ausschwingversuch durchgeführt, woraus Eigenfrequenz und Dämpfung der Brust berechnet wurden. Dadurch konnten wir den Teilnehmerinnen das Laufen auf dem Laufband ohne BH ersparen!

Die gesamte Testsituation wurde von allen 59 Teilnehmerinnen zwischen 19 und 67 Jahren als sehr angenehm empfunden, auch weil ausschließlich weibliches Untersuchungspersonal anwesend war. Das überwältigende Interesse an dieser Studie – wir hätten mindestens doppelt so viele Frauen testen können – zeigte uns, wie dringend derartige Untersuchungen benötigt werden.

© Foto: Universität Wien/derknopfdruecker.com

Was macht also einen perfekten Sport-BH aus? Lesen Sie hier weiter..."

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